Votum und Begrüßung

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Ich grüße Sie herzlich am Palmsonntag. Er hat seinen Namen von den Palmenzweigen, die wie ein roter Teppich für Jesus ausgebreitet wurden, als er eine Woche vor dem Passahfest nach Jerusalem einzog. Doch schon da zeigte sich, dass so viel anders ist, dass Jesus anders herrscht als die Machthaber dieser Welt. Nicht auf einem stattlichen Ross, sondern auf einem gewöhnlichen Esel kam er angeritten. Und doch bejubelte ihn die Menge, genauso wie sie ihn morgen wieder fallenlassen wird: der Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag steht am Anfang der Karwoche. Wenig später schlagen sie ihn ans Kreuz. Durch die Tiefe führt Gottes Weg zur Verherrlichung Jesu und damit zum ewigen Leben, nicht nur für ihn sondern für uns alle. So lesen wir im Wochenspruch für diese neue Woche:

"Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben." | Joh 3,14b.15

Gebete

Psalm 69

Lassen Sie uns gemeinsam beten, mit den Worten aus Psalm 69. Es sind Worte der Verzweiflung, es sind Worte des Leides, aber auch Worte voller Hoffnung auf einen Gott, der uns nicht alleine lassen wird.

 

Gott, hilf mir!

Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Errette mich aus dem Schlamm, dass ich nicht versinke, dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen, und aus den tiefen Wassern; dass mich die Flut nicht ersäufe und die Tiefe nicht verschlinge und das Loch des Brunnens sich nicht über mir schließe.

Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich; wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knechte, denn mir ist angst; erhöre mich eilends.

Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,

Gott, deine Hilfe schütze mich!

Psalm 69,2-4.14-19a.30b

Persönliches Gebet

Ich lade Sie ein, ein persönliches Gebet an dieser Stelle zu sprechen. Wenn Sie möchten, können folgende Worte sie dabei leiten:

Gott, unser Vater,

du bist in deinem Sohn Jesus Christus zu uns gekommen, du bist eingekehrt in unsere Welt. Du hast uns nicht allein gelassen mit unseren Sorgen und Ängsten.

Wir möchten dich aufnehmen in unsere Familien und Häuser, wir sehnen uns nach deiner Nähe.

Und doch fällt es uns immer wieder schwer, dir zu folgen, wohin du uns gerufen hast. Wir sind zurückgewichen, wo du deine Hand nach uns ausgestreckt hast. Auch wir haben dich alleine gelassen, als du uns in deinen Dienst nehmen wolltest.

So bitten wir dich: Zieh trotz allem in unsere Herzen ein und mach uns bereit für dein Kommen zu uns.

Lied EG 165 Gott ist gegenwärtig

1. Gott ist gegenwärtig.

Lasset uns anbeten

und in Ehrfurcht vor ihn treten.

Gott ist in der Mitte.

Alles in uns schweige

und sich innigst vor ihm beuge.

Wer ihn kennt,

wer ihn nennt,

schlag die Augen nieder;

kommt, ergebt euch wieder.

 

2. Gott ist gegenwärtig,

dem die Cherubinen

Tag und Nacht gebücket dienen.

Heilig, heilig, heilig!

singen ihm zur Ehre

aller Engel hohe Chöre.

Herr, vernimm

unsre Stimm,

da auch wir Geringen

unsre Opfer bringen.

 

3. Wir entsagen willig

allen Eitelkeiten,

aller Erdenlust und Freuden;

da liegt unser Wille,

Seele, Leib und Leben

dir zum Eigentum ergeben.

Du allein

sollst es sein,

unser Gott und Herre,

dir gebührt die Ehre.

 

4. Majestätisch Wesen,

möcht ich recht dich preisen

und im Geist dir Dienst erweisen.

Möcht ich wie die Engel

immer vor dir stehen

und dich gegenwärtig sehen.

Lass mich dir

für und für

trachten zu gefallen,

liebster Gott, in allem.

5. Luft, die alles füllet,

drin wir immer schweben,

aller Dinge Grund und Leben,

Meer ohn Grund und Ende,

Wunder aller Wunder:

ich senk mich in dich hinunter.

Ich in dir,

du in mir,

lass mich ganz verschwinden,

dich nur sehn und finden.

 

6. Du durchdringest alles;

lass dein schönstes Lichte,

Herr, berühren mein Gesichte.

Wie die zarten Blumen

willig sich entfalten

und der Sonne stille halten,

lass mich so

still und froh

deine Strahlen fassen

und dich wirken lassen.

 

7. Mache mich einfältig,

innig, abgeschieden,

sanft und still in deinem Frieden;

mach mich reines Herzens,

dass ich deine Klarheit

schauen mag in Geist und Wahrheit;

lass mein Herz

überwärts

wie ein’ Adler schweben

und in dir nur leben.

 

8. Herr, komm in mir wohnen,

lass mein’ Geist auf Erden

dir ein Heiligtum noch werden;

komm, du nahes Wesen,

dich in mir verkläre,

dass ich dich stets lieb und ehre.

Wo ich geh,

sitz und steh,

lass mich dich erblicken

und vor dir mich bücken.

Predigt über Markus 14, 3-9

Ihr Lieben,

welche Menschen aus der Bibel kennt ihr? Viele von uns werden sicherlich schnell an Menschen wie Abraham denken, der von Gott aus seiner vertrauten Umgebung in ein fernes Land geführt wurde. Oder vielleicht an Noah und die Arche. Oder den kleinen David, der nur mit einer Steinschleuder den Riesen Goliath besiegte. Die großen Helden des Alten Testaments sie faszinieren bis heute noch die Kinder. Im Neuen Testament fällt uns dann  sicherlich gleich Jesus ein, ohne ihn gäbe es ja auch kein Christentum. Mit ihm unterwegs war dann auch Petrus, der manchmal ungestüm, manchmal kleinlaut, aber doch mit Jesu Liebe im Herzen unterwegs war. Und denkt manch einer noch an Paulus, der mit seinen Briefen die Christenheit in aller Welt prägte und prägt. Vielleicht fallen euch noch mehr Namen ein. Die Namen der großen der Bibel, sie sind vielen vertraut, selbst in nicht kirchlichen Kreisen.

 

Viel häufiger jedoch, besonders in den Evangelien, bleiben die Menschen ohne Namen. Ich denke an die Frau am Jakobsbrunnen, deren Leben sich durch die Begegnung mit Jesus so grundlegend veränderte oder an die unzähligen Geheilten, im Besonderen der Gelähmte, der zu Jesus durch das Dach hindurch hinabgelassen wurde, der an Körper und Seele geheilt wurde. Sind diese Menschen so unwichtig, dass noch nicht einmal ihre Namen erinnert wurden?

Und dann lesen wir das heutige Predigtwort aus dem Markus-Evangelium:

 

Wir lesen hier:

Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast. Während der Mahlzeit kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß und goss Jesus das Öl über den Kopf. Einige der Anwesenden waren empört. »Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«, sagten sie zueinander. »Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können!« Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe.

Aber Jesus sagte: »Lasst sie! Warum macht ihr es der Frau so schwer? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Arme wird es immer bei euch geben, und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch. Sie hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt. Ich sage euch: Überall in der Welt, wo man das Evangelium verkünden wird, wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat.«1

 

Die Frau, sie bleibt ohne Namen und doch soll überall, wo von Jesus erzählt wird, auch an Sie erinnert werden. Wie so viele andere Namenlose, von denen wir in den Evangelien lesen, erinnern wir uns auch an sie. Sie sind nicht namenlos, weil sie weniger wichtig wären als die Helden der Bibel, die die meisten von uns benennen könnten. Vielmehr als diese Helden, bieten gerade sie uns die Möglichkeit, dass wir uns mit ihnen in eine Reihe stellen. Wir können leichter ihre Geschichte auch zu unserer eigenen machen.

Und das wunderschöne an den neutestamentlichen Erzählungen ist, dass wir auch an ihnen sehen, wie Jesus Menschen begegnet. Er legt keinen Wert auf Status, er legt keinen Wert auf große Namen. Sondern er begegnet besonders den scheinbar Wertlosen mit unendlicher Wertschätzung. Der Frau am Jakobsbrunnen begegnet er auf Augenhöhe, dem Gelähmten hilft er in seiner Not und die Frau, deren Namen wir nicht kennen, die von allen im Raum angegriffen wird, ihr dankt er. Sie stellt er sogar heraus, an sie soll man sich erinnern, ihr Werk ist gut und überall auf der Welt, wo man von Jesus erzählen wird, wird man auch von ihr erzählen. Und ja, das tuen wir, sogar noch fast 2000 Jahre später, erzählen wir von dieser Frau, deren Namen wir doch nicht kennen.

Sie hat Jesus zum Christus gemacht, könnte man fast schon ketzerisch sagen. Jesus Christus, der Messias, der Gesalbte Gottes. Nur in dieser Erzählung wird Jesus gesalbt, natürlich als Sohn Gottes, wird er schon bei der Taufe benannt, mit dem Heiligen Geist ist er eins, aber gesalbt, wird Jesus nur in dieser Erzählung.

Und daran wird so deutlich, dass Jesus eben ein anderer König, ein ganz anderer Messias, ist, als ihn das jüdische Volk damals erwartete. Könige wurden nach jüdischer Tradition auch gesalbt, um in ihr Amt eingesetzt zu werden. Ihnen wurde wertvolles Öl über dem Kopf ausgegossen.

Jesus aber, er wird nicht zum König gesalbt und ist gerade darin der Messias, der Gesalbte Gottes und Retter für uns alle. Die Namenlose salbt Jesus für sein Begräbnis, der Karfreitag rückt immer näher. In den Versen zuvor wurde der Tod Jesu von den Hohepriestern und Schriftgelehrten beschlossen. Und Jesus deutet nun das Handeln der Frau auf seinen bevorstehenden Tod hin. Sie hat ihm schon im Voraus den Körper für die eigene Bestattung gesalbt. Jesu Weg führt von hier an unweigerlich ans Kreuz auf Golgatha. Sein Weg führt dort hin, nicht weil er es verdient hätte, so brutal hingerichtet zu werden. Sein Weg führt dort hin, weil er uns Menschen liebt. All die Namenlosen, Vergessenen, Gepeinigten, Geschlagenen, genauso wie, die großen Helden, der Vergangenheit und unserer Zeit. Jesus liebt sie alle gleich, weil sie alle, weil wir alle ohne seine Liebe und ohne seinen Gang ans Kreuz verloren wären. Das Kreuz Jesu ist der größte Akt der Liebe Gottes zu den Menschen, weil er für uns am Kreuz leidet und stirbt. Darin erweist sich Jesus letztlich als der wahre gesalbte Gottes und wird dadurch zum Herrscher über die Welt. Er ist der König, der für sein Volk stirbt.

Warum sollen wir uns nun gerade an diese Frau erinnern? Sie hat in diesem Moment einfach nur das getan, was sie tun konnte, sie hat Jesus ihre Liebe zum Ausdruck gebracht. Dieser Akt der Liebe zu Jesus ist es, an den wir uns heute erinnern. Sie hat ihm verschwenderisch gegeben. Sie tritt an Jesus heran mit einer Flasche sündhaft teuren Öls. Echtes Nardenöl — aromatisiert mit einer Wurzel aus dem Himalaya. Das war damals ohne Flugzeug noch weiter weg, als es heute ist. Auf 300 Denare wird der Wert geschätzt, das war das Jahresgehalt eines Arbeiters. Ein Vermögen für die einfachen Leute. Vielleicht hat sie schon ein Stück weit verstanden, was selbst die engsten Begleiter Jesu, die Jünger, bis hierher noch nicht verstanden haben. Jesu Zeit mit ihnen wird bald ein Ende nehmen. Und sie wollte Jesus noch einmal zeigen, wie viel er ihr bedeutete.

Was bedeutet Jesus uns heute? Stellen wir uns in eine Reihe mit der namenlosen Frau. Geben wir ihr einen Namen, geben wir ihr unseren Namen. Haben wir verstanden, dass Jesus für uns da ans Kreuz geht? Andreas, Jesus geht für dich ans Kreuz. Sabine, Jesus geht für dich ans Kreuz. Manfred, Jesus geht für dich ans Kreuz. Corinna, Jesus geht für dich ans Kreuz. … , Jesus geht für dich ans Kreuz. Setze einfach deinen Namen ein. Denn es gilt auch dir, Jesus geht für dich ans Kreuz.

Möchtest du für ihn tuen, was du kannst. Ihm deine Liebe zeigen, so wie er schon lange seine Liebe zu dir im Kreuz gezeigt hat. Er möchte, dass auch wir ihm in Liebe begegnen, so wie die namenlose Frau. Jesus möchte keine Helden, Jesus möchte dich und mich. Amen.

 


Neues Testament und Psalmen: Neue Genfer Übersetzung. (2013). (3. Auflage, Mk 14,3–9). Romanel-sur-Lausanne, Schweiz: Genfer Bibelgesellschaft; Deutsche Bibelgesellschaft.

Lied "Mutig komm ich vor den Thron"

Vers 1

Allein durch Gnade steh ich hier

vor deinem Thron, mein Gott, bei dir.

Der mich erlöst hat, lädt mich ein,

ganz nah an seinem Herz zu sein.

Durchbohrte Hände halten mich.

Ich darf bei dir sein ewiglich.

 

Vers 2

Will mich mein Herz erneut verdamm‘n

und Satan flößt mir Zweifel ein,

hör ich die Stimme meines Herrn,

die Furcht muss fliehn, denn ich bin sein.

O, preist den Herrn, der für mich kämpft

und meine Seele ewig schützt.

Chorus

Mutig komm ich vor den Thron,

freigesprochen durch den Sohn.

Dein Blut macht mich rein,

du nennst mich ganz dein.

In deinen Armen darf ich sein.

 

 

Vers 3

Seht doch, wie herrlich Jesus ist,

der alle Schönheit übertrifft.

Die Liebe in Person ist hier,

gerecht und treu steht er zu mir.

All unser Lob reicht niemals aus,

ihn so zu ehrn, wie’s ihm gebührt.

 

Bridge

Das ist der Grund, warum wir feiern:

Wir sind befreit, er trug das Urteil.

O, preist den Herrn, preist den Herrn!

Er hat für meine Schuld bezahlt.

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus,

du wurdest einst in Jerusalem begeistert empfangen. Wie begrüßen und empfangen WIR dich? Wie erwarten wir deine Gegenwart, wo rechnen wir mit dir in unserem Leben? Du kommst den untersten Weg, den Weg, den keiner von uns gehen will. Doch dein Weg ist der Weg der Liebe.

Lass uns dir auf deinem Weg folgen, lass uns nicht nur nach dem immer  Höheren trachten, sondern den Weg der Liebe suchen. Schenke uns Kraft, einander zu lieben und zu achten, aufeinander zuzugehen und aufmerksam zu sein für die Bedürfnisse unserer Nächsten. Gib uns Mut, einander zu unterstützen und zu stärken.

Wir bitten dich für die Menschen, sie sich in den Höhen und Tiefen des Lebens nicht mehr zurechtfinden, deren Weg steil abgestürzt ist. Lass sie in deinem Wort Halt finden. Wir bitten dich für die Menschen, die gestolpert sind auf ihren Wegen, die keine Kraft mehr haben, wieder auf die Beine zu kommen. Schenke uns wachsame Augen, dass wir ihnen beistehen.

Wie leicht werden Menschen hochgejubelt und gefeiert, und wie schnell werden sie fallen gelassen! Bewahre uns davor, abzuheben und uns vom Erfolg berauschen zu lassen. Lehre uns, nüchtern zu bleiben, auch im Glück und in den Erfolgen, die wir letztlich deiner Gnade verdanken.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segensbitte "Meine Hoffnung und meine Freude"

Meine Hoffnung und meine Freude

Meine Stärke, mein Licht

Christus meine Zuverischt

Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht

Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht

Segen

Geh in die neue Woche unter dem Segen des Herrn

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dir und gebe dir Frieden.