Begrüßung

Herzlich willkommen zum Gottesdienst am heutigen Karfreitag. An diesem Tag erinnern wir uns als Christen, was wir seit Jahrhunderten im Glaubensbekenntnis bezeugen: Jesus hat „gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.“ Dieses Geschehen wird von den meisten Historikern auf den 7. April 30 datiert. Es muss ein besonderer Tag gewesen sein, wenn wir uns noch Jahrhunderte danach an ihn erinnern und diesen Tag feierlich begehen. Großes ist mit diesem Geschehen verbunden. Das Leitwort für diesen Tag weist auf dieses Großes hin. „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ In diesem Gottesdienst wollen wir gemeinsam darüber nachdenken, was dieser Tag für unser Leben bedeuten kann und wir wollen Gott für seine Liebe danken. 

Gebet

Jesus, für mich gingst du nach Golgatha, für mich hast du das Kreuz getragen,

für mich ertrugst du Spott und Hohn, für mich hast du dich lassen schlagen.

Für mich trugst du die Dornenkron`, für mich warst du von Gott verlassen.

Auf dir lag alle Schuld der Welt, auch meine Schuld; ich kann`s nicht fassen.

Herr Jesus Christus, alle Schuld hast du für immer mir vergeben.

Du hast mich froh und frei gemacht, du schenkst mir neues, ew`ges Leben.

Herr deine Liebe ist so groß, dass ich sie nie begreifen kann,

doch danken will ich dir dafür.

Herr deine Liebe ist so groß, dass ich sie nie begreifen kann. Ich bete dich an. Amen

Lied: EG 85 O Haupt voll Blut und Wunden

1. O Haupt voll Blut und Wunden,

voll Schmerz und voller Hohn,

o Haupt, zum Spott gebunden

mit einer Dornenkron,

o Haupt, sonst schön gezieret

mit höchster Ehr und Zier,

jetzt aber hoch schimpfieret:

gegrüßet seist du mir!

 

2. Du edles Angesichte,

davor sonst schrickt und scheut

das große Weltgewichte:

wie bist du so bespeit,

wie bist du so erbleichet!

Wer hat dein Augenlicht,

dem sonst kein Licht nicht gleichet,

so schändlich zugericht’?

Predigt

Liebe Gemeinde!

 

Der Karfreitag hatte in meiner Kinder- und Jugendzeit eine eigene Prägung. Es war ein stiller Tag, Radio und Fernsehgerät blieben aus. Lange auszuschlafen erscheint mir an diesem Tag immer noch unpassend – es ist kein Tag, um lange im Bett zu bleiben. Ich habe immer das Gefühl: Dieser Tag gehört nicht mir, er gehört Jesus. Selbst das Mittagessen war davon geprägt. Es war ein fleischloser Tag, es gab leckeren Fisch mit Salzkartoffeln und Buttersoße. Trotz des guten Essens herrschte das Gefühl, dass sich Menschen an diesem Tag etwas zurücknahmen. Nicht der einzelne Mensch, sondern Jesus stand an diesem Tag im Mittelpunkt. Was er tat, soll auch heute im Mittelpunkt stehen, wenn wir auf das Wort Gottes für diesen Tag hören. Es steht im 2. Korintherbrief Kapitel 5, die Verse 19 – 21: 

 

„Ja, in Christus war Gott selbst am Werk, um die Welt mit sich zu versöhnen. Er hat den Menschen ihre Verfehlungen nicht angerechnet. Und uns hat er sein Wort anvertraut, das Versöhnung schenkt. Wir treten also anstelle von Christus auf. Es ist, als ob Gott selbst die Menschen durch uns einlädt. So bitten wir anstelle von Christus: Lasst euch mit Gott versöhnen! Gott hat Christus, der keine Sünde kannte, an unserer Stelle als Sünder verurteilt. Denn durch Christus sollten wir vor Gott als gerecht dastehen.“

 

Liebe Gemeinde, im Jahr 2000 erschien am Himmel von Sydney in Australien im Vorfeld der Olympischen Spiele das Wort »Sorry«. Geschrieben wurde es in den stahlblauen Himmel mit den Kondensstreifen eines Flugzeugs. Die Entschuldigung galt den Ureinwohnern Australiens, den Aborigines. Von den Einwanderern hatten sie viel Unrecht erfahren. Dieser Versöhnungsversuch kann auch als reines Event missdeutet werden. Wie weit diese Entschuldigung der Einwanderer von den Ureinwohnern wirklich angenommen wurde, ist nicht bekannt.

 

Gott hat sein Zeichen der Versöhnung mit den Menschen nicht an den Himmel gemalt, sondern in die Erde rammen und daran seinen Sohn aufhängen lassen. Das war kein Event. Das war ein Drama der Liebe Gottes zu uns Menschen.

 

1. Leidenstag – die große Liebe

Gott leidet am Unglauben, Irrglauben und der Gottvergessenheit von uns Menschen. Wir leben in Erinnerung an das verlorene Paradies. Dennoch kehren wir Gott den Rücken. Unser Sünderdasein trennt uns von Gott. Gott lässt uns aber nicht zu Kreuze kriechen, sondern geht selber ans Kreuz.

 

Gott will keine Rache an uns Menschen für unsere Sünden nehmen. Er will von uns keine Sühnopfer. Er geht den einzigartigen und unbequemen Weg des Selbstopfers und des Leidens aus Liebe zu uns (Joh 3,16). Als er voller Schmerzen starb, erbebte die Erde. »Es ist vollbracht!« waren seine letzten Worte. Er tat es aus Liebe stellvertretend für uns.

 

Ein Beispiel: Ein Richter sollte einen Gefangenen verhören, der früher sein Freund war. Sein Verbrechen verlangte eine hohe Geldstrafe. Der Staatsanwalt verlangte die Höchststrafe. Der Richter kam zu derselben Auffassung. So sprach er das Urteil. Nachdem das Urteil gesprochen und die Sitzung zu Ende war, verließ der Richter seinen Platz und stellte sich vor den Verurteilten. Er sah ihm in die Augen und sagte: »Du bist immer noch mein Freund. Hier hast du einen Scheck, auf dem ich die Summe deiner Strafe eingetragen habe. Der Scheck ist gedeckt. Damit kannst du deine Strafe bezahlen.« Er gab seinem Freund den Scheck und verließ den Gerichtssaal. So war dieser Richter gerecht dem Gesetz gegenüber und gleichzeitig gnädig zu seinem Freund.

 

Beispielhaft haben auch Menschen stellvertretend für andere ihr Leben gelassen: Maximilian Kolbe, geboren 1894 in Polen, katholischer Priester und Ordensmann. Er half im Zweiten Weltkrieg Flüchtlingen, Kriegsopfern und besonders Juden. Im Februar 1941 wurde er dafür erneut inhaftiert und erlitt schwere Misshandlungen durch die Gestapo. Ab Mai 1941 war er im Konzentrationslager Auschwitz. Dorthin kam er freiwillig anstelle des zum Hungertod verurteilten kinderreichen Familienvaters Franciszek Gajowniczek (gest. 1995), dem er durch seinen Tod im KZ die Freiheit und damit das Leben schenkte.

 

Das Menschenunmögliche hat Gott in seinem Erbarmen über die sündigen Menschen getan. Gott hat sich selbst in seinem Sohn geopfert. So wurde Jesus das letzte Sühnopfer für alle Sünden aller Menschen aller Zeiten. Es gab keine andere Chance für den gerechten Gott. Das schafft nur seine große Liebe. An Karfreitag fallen Leiden und Liebe Gottes zusammen.

 

2. Entscheidungstag – das zweite Leben

Karfreitag hat sich Christus für uns entschieden. Nun ruft er uns in die Entscheidung für ihn. Jesus ist kein Vergebungsautomat, in den man seine Bußbitten wie eine Münze hineinsteckt und unten aus einem Fach die Vergebungsbescheinigung herausholt. 

 

Zur Zeit Luthers hat das der Mönch Tetzel behauptet. Er hat Sündenablass für viel Geld verkauft. Der Preis richtete sich nach der Schwere einzelner Sünden. Jesus hat einen höheren Preis gezahlt, sein Leben. Deshalb geht es bei ihm nicht wie bei Tetzel um das Aufrechnen einzelner Sünden. Es geht bei ihm um ein neues Leben.

 

Jesus Christus will in unser Leben und mit uns leben. Aufs Engste will er mit uns verbunden sein. Das alte Leben wird auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Vergangenheit wird abgeschlossen und eine neue Zukunft für jeden von uns durch Jesus Christus eröffnet. Dadurch haben wir auch eine von Gott gesegnete Gegenwart.

 

Es geht um ein neues Leben, das wir uns kaum vorstellen können. Durch Christus haben wir die Chance, noch einmal wieder von vorne anzufangen. Wer wünscht sich das nicht, wenn er sich vor den Trümmern seiner Vergangenheit sieht!? Man muss nicht kriminell oder drogensüchtig werden oder von Sex oder Geld besessen sein, um einen solchen Stoßseufzer der Sehnsucht nach einem Neuanfang zum Himmel zu schicken. Auf dieser Erde lebt keiner auf einer »Wolke sieben« ungetrübten Glücks! Das spüren wir in diesen Tagen besonders. So frage ich mich in diesen Tagen: Kann es nicht sein, dass wir durch die derzeitige Krise neu über den Halt und die Ausrichtung unseres Lebens nachdenken. Wir alle brauchen die Wende hin zu Gott, um neu und ganz anders leben zu können.

 

Seit Karfreitag und Ostern gibt es diese unglaubliche Chance zu einem neuen Leben. Wir sollen neue Menschen einer neuen Kreatur werden (vgl. Gal 2,20; 6,14f.). Wir brauchen gar nichts dazu zu tun. Wir brauchen es uns nur gefallen zu lassen. Gott bittet durch uns. Wie ein Bittsteller bettelt er: »Lasst euch versöhnen mit Gott!« Lasst es euch doch gefallen, von dem Gott, der euch ins Leben gerufen hat und in dessen Hand jedes Leben liegt. Unser Leben hat einen Totalschaden durch unsere sündige Existenz. Reparaturen lohnen nicht. Wir brauchen eine neue Existenz. Christus bietet uns eine neue Kreatur an. Leider bricht immer mal wieder das Alte durch. Das ändert aber nichts an dem neuen Kern unserer Persönlichkeit, der neuen Kreatur. So sollen uns die Menschen sehen (V. 16)! 

 

3. Gnadentag – der dringende Ruf

Gnadentag ist, wenn ein Mensch sich von Gott rufen und durch Christus versöhnen lässt. Gnadentag ist, wenn ein versöhnter Mensch zum Rufer Christi für Menschen wird. Wer Gnade erfahren hat für seine große Schuld, kann das und darf das nicht für sich behalten. Gott will uns als Rufer in dieser Welt gebrauchen. Wir sind für ihn wie ein Megaphon, durch das er zu den Menschen spricht. Gott hat uns das Amt des Botschafters gegeben. Nun sind wir dran, dies auszufüllen. 

 

Wir haben nicht den Auftrag, die Menschen abzuqualifizieren, zu beurteilen oder gar abzuurteilen. Unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Beruf, Religion, Kultur oder Stellung in der Gesellschaft sollen und müssen die Menschen um uns herum so oft wie möglich etwas mitbekommen von der großen Liebe und Gnade Jesu Christi. Lernen wir die Menschen um uns herum mit den Augen des die Menschen liebenden Christus zu sehen, den Bettler in der Fußgängerzone genauso wie den Politiker auf dem Bildschirm unseres Fernsehers. Wir sind ihnen die Botschaft der Gnade Christi schuldig! 

 

Versöhnen mit Gott ist mehr als die Reparatur eines sündigen Lebens. Es ist die Chance zum Neuanfang. Es ist Neuschöpfung und es ist Neubeauftragung. Gott lässt uns arbeitsmäßig nicht ruhen. Im Namen Christi sollen wir bei den Menschen sein in Freud und Leid, wir sollen unser Leben mit ihnen teilen und uns mitteilen über die neue Chance, die Christus uns gegeben hat. Karfreitag kann ein guter Anlass dazu sein. Amen

Lied: Jesus, zu dir kann ich so kommen

Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin. Du hast gesagt, dass jeder kommen darf. Ich muss dir nicht erst beweisen, dass ich besser werden kann. Was mich besser macht vor dir, das hast du längst am Kreuz getan. Und weil du mein Zögern siehst, streckst du mir deine Hände hin, und ich kann so zu dir kommen, wie ich bin.

Jesus, bei dir darf ich mich geben, wie ich bin. Ich muss nicht mehr als ehrlich sein vor dir. Ich muss nichts vor dir verbergen, der mich schon so lange kennt. Du siehst, was mich zu dir zieht, und auch, was mich von dir noch trennt. Und so leg ich Licht und Schatten meines Lebens vor dich hin, denn bei dir darf ich mich geben, wie ich bin.

Jesus, bei dir muss ich nicht bleiben, wie ich bin. Nimm fort, was mich und andere zerstört. Einen Menschen willst du aus mir machen, wie er dir gefällt, der ein Brief von deiner Hand ist, voller Liebe für die Welt. Du hast schon seit langer Zeit mit mir das Beste nur im Sinn. Darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin. Du hast schon seit langer Zeit für mich das Beste nur im Sinn. Darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin.

Fürbitten und Vaterunser

Unser Herr Jesus Christus! Du bist am Kreuz für uns gestorben, um uns zu versöhnen mit unserem himmlischen Vater. Wir danken dir dafür und bitten dich: Hilf uns, auch gegenüber anderen Botschafter der Versöhnung zu sein! Wir bitten dich für die Menschen, die unter seelischen Verletzungen leiden und anderen schwer vergeben können. Hilf ihnen auf dem Weg zum Frieden mit sich selbst und mit anderen. Wir bitten dich für die Menschen, die krank sind; schenke ihnen Heilung. Wir bitten dich in diesen Tagen besonders für die Menschen, die in den Kliniken und in den Heimen sich um andere kümmern. Schenke du ihnen die Kraft für diese Aufgaben und bewahre du sie vor Ansteckung. 

Wir denken an die Menschen, die einsam sind; schenke uns einen Blick für sie und zeige uns Wege ihnen beizustehen. Sei ihnen nahe.

Wir beten für die Menschen in der Welt, die um ihr Leben fürchten müssen, weil sie Hunger leiden, weil sie in Kriegsgebieten leben, weil sie von Krankheit gezeichnet sind oder wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Schütze sie und zeige uns, was wir tun können. 

Und alles, was wir mitgebracht haben und was uns auf der Seele liegt, sagen wir dir in der Stille…

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segensbitte "Meine Hoffnung und meine Freude"

Meine Hoffnung und meine Freude

Meine Stärke, mein Licht

Christus meine Zuverischt

Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht

Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht

Segen

Gehet in diese neue Woche im Frieden des Herrn. 

Der Herr segne dich und behüte dich. 

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.