Votum und Begrüßung

Im Namen Gottes, des Vaters, des Schöpfers,
des Sohnes Jesus Christus, der unser und aller Welt Retter ist,
des Heiligen Geistes, der neues Leben schenkt. Amen

Was ist der Himmel? Die unendlich blauen Weiten über uns oder die scheinbar zeitlosen Sekunden, in denen wir glücklich sind? Wenn wir Christi Himmelfahrt feiern, erinnern wir an den Abschied Jesu von seinen Jüngern 40 Tage nach seiner Auferstehung. Er kehrt zurück zu Gott. Seit dieser Zeit ist für Christen der Himmel dort, wo Jesus Christus ist. Zwischen Himmel und Erde leben sie. Und doch: „Was steht ihr da und schaut in den Himmel?“ Die Frage, die zwei Engel, nach der Himmelfahrt Jesu an die Jünger richten, gilt auch uns. Im Hier und Jetzt, in unserer Gegenwart können wir etwas vom Himmel erfahren: Jesus durch den Heiligen Geist bei uns wissen. Ihn in unserem Gegenüber erkennen, und unser Gegenüber Jesu Liebe durch uns erfahren lassen. 

Persönliches Gebet

Herr Gott, himmlischer Vater: Du bist unsere Hoffnung. Zu dir streben wir, bei dir erwarten wir die Erfüllung all dessen, was hier unvollkommen ist. Erwecke unsere Sinne, damit wir selbst wahrnehmen, wo wir teilhaben an dem Bau deines Reiches, in dem es keine Trauer, keinen Hass, keinen Neid und auch den Tod nicht mehr gibt. Lass uns für die Einheit deiner Kirche einstehen, damit in der Welt deutlich wird, dass deine Liebe die Menschen eint. Das bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen 

Lied: EG 334, 1+2+6 "Danke für diesen guten Morgen"

1. Danke für diesen guten Morgen,
danke für jeden neuen Tag.
Danke, dass ich all meine Sorgen
auf dich werfen mag.

2. Danke für alle guten Freunde,
danke, o Herr, für jedermann.
Danke, wenn auch dem größten Feinde
ich verzeihen kann.

6. Danke, dein Heil kennt keine Schranken,
danke, ich halt mich fest daran.
Danke, ach Herr, ich will dir danken,
dass ich danken kann.

Predigt

Jesus bereitet seine Jünger vor auf sein Weggehen, aber er macht auch klar, er lässt sie nicht allein. Im Johannesevangelium ist vieles davon festgehalten. So auch diese Rede Jesu im 14. Kapitel:

18 Ich lasse euch nicht wie Waisenkinder allein. Ich komme wieder zu euch.

19 Es dauert nur noch kurze Zeit, dann wird diese Welt mich nicht mehr sehen. Aber ihr werdet mich sehen, denn ich lebe. Und ihr werdet auch leben.

20 An dem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin im Vater gegenwärtig, ihr seid in mir gegenwärtig und ich bin in euch gegenwärtig.

[…]

25 Ich habe euch das gesagt, solange ich noch bei euch bin.

26 Der Vater wird euch den Beistand schicken, der an meine Stelle tritt: den Heiligen Geist. Der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich selbst euch gesagt habe.

Wir stehen heute hier auf dem Juxkopf. Die Jünger standen damals bei der Himmelfahrt Jesu auf dem Ölberg. In der Apostelgeschichte wird berichtet, wie sie Jesus in den Himmel hinterher schauen.

Vielleicht wäre ich auch erstmal baff, würde ungläubig Jesus hinterher- und dabei ängstlich in die Zukunft schauen. Diese Wolkenlücke da im Himmel betrachten. Mich fragen: Was nun? Was soll jetzt sein?

Jesus hat seine Jünger vorbereitet auf das was geschehen sollte. Er hat ihnen von Karfreitag erzählt. Er hat ihnen von Ostern erzählt. Er hat ihnen von Himmelfahrt erzählt. Und auch Pfingsten hat er ihnen schon verhießen.

Aber die Jünger standen immer wieder da, baff, ungläubig vielleicht, überfordert. Sie wollten sich gegen Karfreitag wehren, konnten es nicht akzeptieren, dass Jesus sterben sollte. Wussten nicht, wie sie mit seiner Auferstehung umgehen sollten, akzeptierten es erst, als sie ihn selbst sehen und sogar anfassen konnten. Und bei der Himmelfahrt da auf dem Ölberg, bleiben sie wieder stehen. Sie sind nicht gleich Feuer und Flamme und gehen hinaus in alle Welt und missionieren. Nein sie verstecken sich erstmal wieder hinter dicken Türen in Jerusalem.

So ist es mit uns Menschen einfach viel zu oft, wenn wir mit der Realität konfrontiert werden. Alles was wir schon gehört haben, alles was wir schon an Positivem erlebt haben, alles was wir auch eigentlich von Gott wissen, hilft uns oft wenig, wenn wir dann wirklich mitten drinstehen.

Wer hätte sich Anfang des Jahres ausmahlen können, dass wir auf dem Juxkopf mit Mindestabstand zu einander Gottesdienst feiern müssen. Wer hätte sich ausmahlen können, dass auf einmal so viele gegen eine Regierung und ihre Entscheidungen zum Schutz der Menschen aufbegehren, demonstrieren, mal friedlich, mal sogar gewaltsam, um ihre Freiheit, die ihnen eigentlich keiner genommen hat, zu verteidigen. Wer hätte sich ausmahlen können, dass auf einmal Spiegelberg zum Naherholungsgebiet für Städter wird, die aus ihren Wohnungen verständlicherweise fliehen wollen.

Wir wurden in den letzten Wochen mit einer Realität konfrontiert und sind baff, überfordert und vielleicht auch ängstlich so wie die Jünger. Wir verstecken uns, oder rebellieren gegen das, was eigentlich gerade gut wäre. Fühlen uns allein gelassen mit unseren Problemen, von unseren Mitmenschen, von der Regierung, von den Experten. Vielleicht fühlen wir uns sogar von Gott allein gelassen. Wo ist er, da ist nur eine Wolkenlücke. Ist der Glaube ein Himmelsschloss, das beim leisesten Windhauch verschwindet?

Und doch gilt gerade auch jetzt, was Jesus seinen Jüngern damals zu Vorbereitung gesagt hat. „Ich lasse euch nicht allein.“ „Der Vater wird euch den Beistand schicken.“ Und dann noch am Ende des Matthäusevangeliums: „Und seht doch: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt!

Der Popsänger Mark Forster hat es für mich in seinem neusten Lied „Überall“ auf den Punkt gebracht:

Heute, morgen und übermorgen

Heute, morgen und übermorgen

Guck, wie weit wir's schon geschafft ha'm
Doch ich glaub', ist nur der Anfang
Keine Träne ist hier umsonst
Ich wein' vor Glück wegen dem, was kommt
Wenn du auch denkst, dass du's nicht mehr schaffst
Trag' ich uns zwei, nehm' dich huckepack
Wir müssen mit uns reden wie Dickschädel
Und wenn ich falle, wirst du mich heben

Hab' mir verboten zu glauben, dass es dich gibt
Doch jetzt kneif' ich meinen Arm, in dem du grad liegst

An deiner Seite will ich bleiben
Geh' durch Feuer und alle Zweifel
Mit allen Träumen und all den Sorgen
Heute, morgen und übermorgen
An deiner Seite will ich sein
Uns alle Fehler verzeihen
Mit allen Träumen und all den Sorgen
Heute, morgen und übermorgen

Ich dachte immer, alles muss enden
Doch für uns gibt's keine Grenzen
Ich seh' 2050 vor meinen Augen
Bin jeden Tag drauf, komm nicht ausm Staunen
Wenn ich die ganze Welt verfluch'
Holst du mich raus mit Raketenschub
Und wenn wir alles vor die Wand fahren
Wird jeder sehen, wie's brennt, weil wir's waren

Hab' mir verboten zu glauben, dass es dich gibt
Doch jetzt kneif' ich meinen Arm, in dem du grad liegst

An deiner Seite will ich bleiben
Geh' durch Feuer und alle Zweifel
Mit allen Träumen und all den Sorgen
Heute, morgen und übermorgen
An deiner Seite will ich sein
Uns alle Fehler verzeihen
Mit allen Träumen und all den Sorgen
Heute, morgen und übermorgen

Heute, morgen und übermorgen
Heute, morgen und übermorgen

 

Sicherlich Mark Forster hat wahrscheinlich nicht an den Heiligen Geist oder Himmelfahrt gedacht, als er das Lied geschrieben hat. Vielmehr ist es wohl ein Liebeslied. Und doch wird darin eine andere Realität deutlich. Eine Realität Gottes, die mit unserer jetzigen Erfahrung kollidiert, ihr entgegensteht.

Jesus sagt: Ich bin bei dir, der Heilige Geist wird in dir wohnen, du bist nicht allein.

Und ich höre Jesus mit den Worten von Mark Forster sagen:

An deiner Seite will ich bleiben
Geh' durch Feuer und alle Zweifel
Mit allen Träumen und all den Sorgen
Heute, morgen und übermorgen
An deiner Seite will ich sein
Dir alle Fehler verzeihen
Mit allen Träumen und all den Sorgen
Heute, morgen und übermorgen

Die Jünger, sie standen damals auf dem Ölberg, baff, ungläubig und überfordert mit der Situation. Jesus hatte sie vorbereitet, aber konfrontiert mit der Realität, war ihnen erstmal nichts anderes mehr möglich.

Wir stehen heute hier, auf dem Juxkopf, mit Sicherheitsabstand, baff, ungläubig und ein Stück weit überfordert mit der Situation in der wir gerade sind.

Und Jesus sagt: Ich bin bei dir. Mit allen Träumen und all den Sorgen. Heute, morgen und übermorgen.

Amen. 

Lied: EG 123, 1+3+4+11 „Jesus Christus herrscht als König“

1. Jesus Christus herrscht als König,
alles wird ihm untertänig,
alles legt ihm Gott zu Fuß.
Aller Zunge soll bekennen,
Jesus sei der Herr zu nennen,
dem man Ehre geben muss.

3. Gott ist Herr, der Herr ist Einer,
und demselben gleichet keiner,
nur der Sohn, der ist ihm gleich;
dessen Stuhl ist unumstößlich,
dessen Leben unauflöslich,
dessen Reich ein ewig Reich.

4. Gleicher Macht und gleicher Ehren
sitzt er unter lichten Chören
über allen Cherubim;
in der Welt und Himmel Enden
hat er alles in den Händen,
denn der Vater gab es ihm.

11. Ich auch auf der tiefsten Stufen,
ich will glauben, reden, rufen,
ob ich schon noch Pilgrim bin:
Jesus Christus herrscht als König,
alles sei ihm untertänig;
ehret, liebet, lobet ihn!

Fürbitten und Vaterunser

Herr, Jesus Christus du hast gesagt, dass du immer bei uns sein willst. Dafür danken wir dir.
Manchmal fällt es uns schwer, uns an diese Zusage zu halten, weil Jesus nicht mehr so wie ein Mensch bei uns ist und wir seine Nähe nicht immer spüren.
Lass uns erfahren, dass der Himmel trotzdem ganz nahe ist.

Wir rufen zu dir:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für deine Gemeinde. Hilf ihr, dass sie trotz aller Schwachheit und Zerrissenheit die Frohe Botschaft in der Welt glaubwürdig und ansteckend verkündet.
Wir rufen zu dir:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für unsere Gesellschaft, dass Solidarität und Gemeinwohl die Richtschnur für unser Handeln sind.
Lass uns nicht nur über die Politiker schimpfen, sondern gib uns die Einsicht, wo auch wir unseren Beitrag leisten können und müssen.
Wir rufen zu dir:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für unsere Welt. An vielen Orten herrschen Krieg, Gewalt, Ungerechtigkeit und Elend. Lass uns auch die Menschen nicht vergessen, von denen nicht in den Medien berichtet wird.
Wir rufen zu dir:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle Menschen, die krank sind, die trauern, die keine Perspektive für ihr Leben sehen, die leiden müssen.
Schenke ihnen Hoffnung und schicke ihnen Tröster, dass auch sie ein Stück Himmel erfahren.

Wir rufen zu dir:

 

Herr, erbarme dich.

Gemeinsam verbunden mit allen Christen rufen wir zu dir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name
dein Reich komme, dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segensbitte: EG 170 1-3 Komm, Herr segne uns“

1. Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen,
sondern überall uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.
Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

2. Keiner kann allein Segen sich bewahren.
Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.
Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,
schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

3. Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden,
wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.
Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen -
die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.