Votum und Begrüßung

Im Namen Gottes, des Vaters, des Schöpfers,
des Sohnes Jesus Christus, der unser und aller Welt Retter ist,
des Heiligen Geistes, der neues Leben schenkt. Amen

Psalm 27

Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?

Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne:

dass ich im Hause des HERRN bleiben könne mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN

und seinen Tempel zu betrachten. Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,

er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.

HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!

Mein Herz hält dir vor dein Wort: "Ihr sollt mein Antlitz suchen."

Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz. Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht

und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!

 

Persönliches Gebet

Du schenkst uns diese Stunde, gütiger Gott, damit wir unsere Last ablegen können und Frieden finden bei dir. So komme nun in Herz und Sinn, lass uns neu aufleben aus deinem Geist. Darum bitten wir dich, Herr, der du in der Einheit mit dem Vater lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Lied: EG 123 "Jesus Christus herrscht als König"

1. Jesus Christus herrscht als König,
alles wird ihm untertänig,
alles legt ihm Gott zu Fuß.
Aller Zunge soll bekennen,
Jesus sei der Herr zu nennen,
dem man Ehre geben muss.

2. Fürstentümer und Gewalten,
Mächte, die die Thronwacht halten,
geben ihm die Herrlichkeit;
alle Herrschaft dort im Himmel,
hier im irdischen Getümmel
ist zu seinem Dienst bereit.

3. Gott ist Herr, der Herr ist Einer,
und demselben gleichet keiner,
nur der Sohn, der ist ihm gleich;
dessen Stuhl ist unumstößlich,
dessen Leben unauflöslich,
dessen Reich ein ewig Reich.

11. Ich auch auf der tiefsten Stufen,
ich will glauben, reden, rufen,
ob ich schon noch Pilgrim bin:
Jesus Christus herrscht als König,
alles sei ihm untertänig;
ehret, liebet, lobet ihn!

Predigt

Wort Gottes aus Jeremia 31, 31 - 34:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: "Erkenne den HERRN", denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Liebe Gemeinde,

immer wieder taucht in diesen Tagen, die Frage auf „Wo ist Gott in der Krise?“, „ist er als strafender Gott gar der Verursacher der Krise?“ „Hat er sich zurückgezogen und überlässt er uns unserem Schicksal? Unser heutiger Predigttext sagt da dezidiert etwas anderes!

1. Gott bleibt treu

»Ich will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein.«
Das ist Gottes Liebeserklärung an sein Volk. Das ist der Bund, den er am Sinai geschlossen hat. Mehr kann Gott seinem Volk gar nicht versprechen als das Eine: »Ihr gehört zu mir und ich gehöre zu euch.« Mehr kann es gar nicht geben, als dass er dieses Volk erwählt und ihm die Treue garantiert. Von Gottes Seite bleibt dieser Bund felsenfest bestehen. Von seiner Seite ist die Bundestreue garantiert. Er bleibt treu. Aber zu einem Bund gehören immer zwei Partner.

Und der Partner macht Probleme. Das kennen wir doch auch und erleben es in diesen Tagen zunehmend: die Scheidungsrate steigt, die Staatenbündnisse werden teilweise außer Kraft gesetzt, den Politikern wird von Teilen der Gesellschaft vorgeworfen, sie verlassen die verfassungsmäßige Grundlage unsere Landes usw.. Bei unseren Problemen liegt die Sache meistens nicht nur an einem Partner und es ist wichtig im Krisenfall, dass sich beide Partner kritisch überprüfen und korrigieren, sofern sie am gemeinsamen Bund festhalten wollen.

Anders bei dem Bund Gottes mit seinem Volk. Gott hält an seinem Bund fest, durch alle Krisen hindurch. Er zieht sich nicht zurück, er überlässt uns nicht einfach unserem Schicksal. Im Gegenteil, durch die Geschichte hindurch erlebt, er dass sein Volk, das wir uns immer wieder von ihm abwenden und bundesbrüchig werden.

Aber gibt Gott nicht auf. Er bleibt treu. Er ist »geduldig und von großer Gnade und Treue.« Er bleibt seinem Volk treu und er bleibt uns treu. »Glaubst du auch nicht, bleibt er doch treu. Er hält, was er verkündet«

Das gilt nicht nur dem Volk Israel, sondern allen Menschen. Das gilt auch uns! Davon leben wir Tag für Tag, von der Treue Gottes. Immer wieder geht er uns nach. Er lässt uns nicht los, auch wenn wir uns von seiner Hand losreißen.

Aber er sieht auch, dass der Bund erneuert werden muss. Dass sich auf Seiten des Partners etwas ändern muss. Das Neue lässt er durch seinen Propheten Jeremia ankündigen:

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, … das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“

2. Gott fängt neu an

Gott setzt neu bei uns an. Er setzt in unserem Innersten an: »Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.« Das Herz ist nach der Bibel das Zentrum unserer Person. Der Ort, an dem mein Verstand sitzt und mein Gefühl. Auch der Ort, an dem mein Wille ist. Der Ort, an dem die Entscheidungen fallen. Darauf zielt Gott ab: auf das Zentrum, auf unser Innerstes. Dort setzt Gott an und schafft alles neu. Er tritt nicht mit Forderungen von außen an uns heran, sondern gibt, was er will, in uns hinein. Das ist das Neue: Gott legt uns seinen Willen direkt in unser Herz!

Wann kommt diese neue Zeit, die Jeremia ankündigt? Ist sie bereits angebrochen? Ist davon schon etwas zu sehen in unserer Gemeinde, in unserem persönlichen Leben?

Schauen wir unser Leben an, so bewegen wir uns oft in den alten ausgetretenen Spuren und merken nicht viel von dem, was neu geworden ist. Bleibt die Verheißung vom neuen Bund nur ein schöner Traum? Halten wir vergeblich Ausschau nach dem neuen Menschen mit dem neuen Herzen?

Gott hat mit seinem Neuschöpfungswerk längst begonnen, »als die Zeit erfüllt war« (Galater 4, 4). Im Stall von Bethlehem erfüllt sich, was Jeremia angekündigt hat. Ein neuer Mensch wird geboren. Als Jesus getauft wird, geht der Himmel auf und Gott verkündet: »Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen« Jesus ist der neue Mensch, auf den hin die Propheten geweissagt haben.
Ihm ist Gottes Wille ganz und gar in Herz und Sinn geschrieben. Jesus lebt ununterbrochen in der Liebesgemeinschaft mit seinem Vater. Er bleibt treu. Er bricht nie aus dieser Verbindung aus. Er hält den Bund mit dem Vater. Von Anfang bis zu seinem Sterben am Kreuz geht es ihm nur um das Eine: »Dein Wille geschehe!« So wird er gehorsam bis zum Tod.

Mit diesem Einen, der gehorsam war für uns alle und an unserer Stelle schließt Gott seinen neuen Bund. Mit diesem Einen, der gestraft wurde für uns alle und an unserer Stelle erfüllt Gott, was er durch den Mund des Propheten verheißen hat: den neuen Bund. »Dieser Kelch«, sagt Jesus zu seinen Jüngern beim letzten Abendmahl, »ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird« Auf Golgatha hat Gott den neuen Bund verwirklicht – für Israel und für uns alle! Durch Jesus Christus werden wir hineingeholt in seinen neuen Bund – Juden und Heiden!

In Jesus Christus gibt sich Gott für uns zu erkennen. In ihm sehen wir alle, groß und klein, den Vater. In Jesus will Gott unser Leben in seine Hand nehmen und verwandeln, dass wir immer mehr seinem Bild ähnlich werden, trotz unserem Versagen.

 

3. Gott und die Krise

„Wo ist Gott in der Krise?“, so haben wir am Anfang gefragt. Ist das Virus eine Strafe für die Gleichgültigkeit gegenüber Gott und einen Lebensstil, der Gottes Zorn hervorruft? Man kann solche Stimmen hören und man kann schnell auf Abstand dazu gehen und entrüstet schon den Gedanken als solchen abstrus finden, überhaupt an einen strafenden Gott zu denken. Aber ist es so einfach? Ich kann das, was in der Welt geschieht, nicht von Gott und seinem Wirken lösen, so als gebe es Ereignisse, mit denen er nichts zu tun habe. Der Prophet Amos fragt: „Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der Herr hat es nicht getan?“ Also doch: Corona als Strafe? Nein, denn das könnte ich nur behaupten, wenn ich einen privilegierten Einblick in Gottes Absichten für mich in Anspruch nehmen könnte. Das kann ich aber nicht.

Das Handeln Gottes in der Welt ist für uns nicht eindeutig, nicht zu entschlüsseln. Wir mögen es deuten, für dies danken, unter jenem leiden, hinter manchem seine lenkende Hand vermuten, anderes als Züchtigung annehmen. Mag sein, aber es bleibt immer ein Deuten, Vermuten, Ahnen. Allein Gottes Handeln in Christus ist eindeutig, Gottes Handeln in der Welt ist es nicht. Mein Problem mit der „Predigt“, Corona sei eine Strafe Gottes, ist die fehlende Demut zu meinen, wir könnten Gottes Tun im Einzelfall enträtseln, auch nicht irgendwann im Rückblick, sondern jetzt mittendrin. Wäre es nicht angebrachter, zu schweigen und Gott, um Erbarmen und Hilfe anzurufen?

Ja, unser Glaube bleibt nicht unbeeindruckt von dem, was um uns herum passiert. Auch Christen fürchten sich und machen sich Sorgen. Wir sind da trostbedürftig wie alle anderen.

Wenn mich Gottes Handeln in der Welt erschreckt und ich nicht verstehe, was das bedeutet, dann fliehe ich von dem, was ich nicht verstehe, zu dem einen Ort, an dem es keine Zweideutigkeit gibt, dem Ort, an dem Gott sein Herz zeigt, also dem Kreuz Jesu und seinem Sieg am Ostermorgen. Und da sage ich: Herr, erbarme dich. Und da sage ich: Ich verstehe es gerade nicht, aber ich weiß, du kannst es nicht anders als gut mit uns meinen. Dort am Kreuz ist der Ort, an dem mein Leid aufgehoben ist in Gottes Mitleiden und Fürsorge.

Deshalb ist der Aufblick zu Jesus, das Sich-an-ihn-Klammern so entscheidend. So sind wir eingeflochten in den ewigen Bund mit Gott, aus dem uns Nichts und Niemand, auch der Tod nicht reißen können. Denn so gilt uns das Versprechen von Jesus: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. Amen

 

Lied: 136 O komm, du Geist der Wahrheit

1. O komm, du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.

2. O du, den unser größter
Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster,
und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen
und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen
der ersten Christenheit.

3. Unglaub und Torheit brüsten
sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten
mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen,
Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.

7. Du Heilger Geist, bereite
ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite
das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen
der Welt und uns den Mund,
dass wir in Freud und Schmerzen
das Heil ihr machen kund.

Fürbitten und Vaterunser

Ewiger Gott, du bist unsere Zuflucht und unsere Hoffnung. Du lässt uns nicht los, du willst uns in Jesus Christus, deinen Sohn begegnen und durch ihn zu dir ziehen. Sein Kreuz ist der Ort, an dem du uns zeigst, du meinst es gut mit uns. Lass uns in den Nöten und Sorgen dieser Zeit im Aufblick zu Jesus, Trost und Hilfe erfahren.

Zu dir kommen wir mit unseren Bitten.

Wir bitten dich heute: für alle Menschen, deren Leben in einer Sackgasse ist.

Zeige ihnen einen Weg.

Wir bitten für alle Menschen, die unter der Last des Alltags den Blick für die Wunder deiner Schöpfung verlieren. Öffne ihnen neu die Augen.

Wir bitten für alle Menschen, die in Familie und Beruf unter ständigen Konflikten und zunehmenden Herausforderungen leiden. Zeige ihnen Möglichkeiten der Versöhnung und eines guten Miteinanders.

Wir bitten für alle Menschen, die auf eine Erneuerung hoffen im Leben von Kirche und Gemeinde. Lass sie Spuren deines Geistes erkennen.

Wir bitten für alle Menschen, die Verantwortung tragen in Politik, Gesellschaft und Kirche.

Gib, dass sie sich von deinem Geist leiten lassen.

Wir bitten für uns selbst, dass wir immer weitergehen auf dem Weg des Glaubens und der Liebe.

Ewiger Gott, du bist unsere Zuflucht und unsere Hoffnung. Wir danken dir, dass du deine Hand über uns hältst – heute und in Ewigkeit. 

Gemeinsam verbunden mit allen Christen rufen wir zu dir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name
dein Reich komme, dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segensbitte: EG 369 "Wer nur den lieben Gott lässt walten"

1. Wer nur den lieben Gott lässt walten
und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.

2. Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
nur größer durch die Traurigkeit.

7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.