Begrüßung

Seien Sie herzlich gegrüßt zum Gottesdienst am Sonntag Jubilate. Der Sonntag Jubilate ist immer noch ganz vom Osterfest geprägt. Es geht um die Lebensverbindung des Glaubenden mit dem erhöhten Jesus Christus. Wer an ihn glaubt, in ihm sein Leben und Denken verortet, gehört zu ihm. Die Freude darüber

zeichnet die Gemeinde nach innen und nach außen aus. Sie lebt von der Zuversicht des neuen Lebens und verkündigt diese Zuversicht einer Welt, die nur noch die Abgründe des Lebens wahrnehmen will. Daran erinnert uns der Wochenspruche für diese neue Woche: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,37)

Persönliches Gebet

Herr, unser Gott, die Osterfreude ist noch nicht verklungen. Wir kommen zu dir mit dem, was uns freut und Mut macht, aber auch mit dem, was uns belastet und ängstigt. Wir bitten dich: Schenke uns Zeichen der Auferstehung an diesem Tag und in diesem Gottesdienst. Sei mitten unter uns, erfülle uns mit deinem Geist und verbinde uns untereinander zu Schwestern und Brüder. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen

Lied: WWDL 114 "Jesus in meinem Haus"

1. Danke, Vater, für das Leben, das du gibst, Dass du deinen Sohn gabst und mich unbegreiflich liebst. Hast mich gerettet und mich neu gemacht Danke, Gott, für Jesus in mir.

(Refrain)
Ich bin froh mit Jesus in meinem Haus
Gut zu wissen: jederzeit ist er hier. Mein Leben lang, Jesus in mir, in meinem   Haus für allezeit und in Ewigkeit.

2. Danke, dass du meinem Leben Zukunft gibst. Ich darf neu beginnen, weil du meine Schuld vergibst. Ich gehe vorwärts, denn ich weiß bestimmt: Jesus ist bei mir jeden Tag.

Predigt

Predigttext: Johannes 15, 1-8

»Ich bin der wahre Weinstock. Mein Vater ist der Weinbauer. Er entfernt jede Rebe an mir, die keine Frucht trägt. Und er reinigt jede Rebe, die Frucht trägt, damit sie noch mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein geworden durch das Wort, das ich euch verkündet habe. Bleibt mit mir verbunden, dann bleibe auch ich mit euch verbunden. Eine Rebe kann aus sich selbst heraus keine Frucht tragen. Dazu muss sie mit dem Weinstock verbunden bleiben. So könnt auch ihr keine Frucht tragen, wenn ihr nicht mit mir verbunden bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt so wie ich mit ihm, bringt reiche Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts erreichen. Wer nicht mit mir verbunden bleibt, wird weggeworfen wie eine abgeschnittene Rebe und vertrocknet. Man sammelt das Abgeschnittene ein und wirft es ins Feuer, wo die Rebe verbrennt. Wenn ihr mit mir verbunden bleibt und meine Worte im Innersten bewahrt, dann gilt: Was immer ihr wollt, darum bittet – und eure Bitte wird erfüllt werden. Die Herrlichkeit meines Vaters wird darin sichtbar, dass ihr viel Frucht bringt und euch als meine Jünger erweist.«

Liebe Gemeinde!

 

„Krise“ – das Wort ist in aller Munde. Es prangt in den Schlagzeilen der Zeitungen. Es bestimmt das tägliche Fernsehprogramm. Die Krise zieht schleichend immer weitere Kreise, wie das Virus selbst. Aus der Corona-Krise wird eine Gesellschaftskrise. Es droht eine globale Wirtschaftskrise. Die ganze Welt, wie wir sie kennen, ist im Krisenmodus. Innerhalb weniger Wochen ist unser privates, öffentliches und kirchliches Leben in einen selbstverordneten Lähmungszustand übergegangen. Die Luft wird dünner. Es wird enger. Angst macht sich breit.

Angst kommt von dem Wort Enge.

Das Gefühl der Angst breitet sich aus, wenn es „eng“ wird im Leben. Eng wird es, wenn ich mich meiner Möglichkeiten und Freiheiten beraubt sehe. Eng wird es, wenn Sicherheiten, auf die ich mich verlassen konnte, wegbrechen. Welche Sicherheiten habe ich noch?

Unser heutiger Predigttext ist ein Ausschnitt aus den sogenannten Abschiedsreden Jesu. Er ist im Gespräch mit seinen Jüngern. Er bereitet sie auf die Zeit vor, in der er nicht mehr wie bisher greifbar sein wird. Es wird keine leichte Zeit werden. Es wird eine Zeit sein, in der es eng wird. In der Angst um sich greifen wird. „In der Welt habt ihr Angst“, sagt Jesus. Er sagt das ohne jeden Vorwurf. Er stellt es nüchtern fest. Aber Jesus sagt direkt im Anschluss: „Seid getrost. Ich habe die Welt überwunden!“

Durch seine Hingabe, durch sein Sterben und Auferstehen hat Jesus das System außer Kraft gesetzt, welches Gier und Angst erzeugt. Es ist vorbei mit der Übermacht der Angst, die uns krampfhaft an allem festhalten ließ, was Sicherheit und Leben versprach. Jesus hat diese Macht durchbrochen. Nicht das starre Blicken auf die Angst soll unser Leben bestimmen, sondern das Aufsehen auf IHN, den Auferstandenen, den Sieger über Sünde und Tod. ER verspricht uns auch gerade in diesen engen Zeiten: „Seid getrost. Fürchtet euch nicht. Ich lebe und ihr sollt auch leben.“

Seine Herrschaft hat begonnen. Die Zukunft liegt in seinen Händen. Nichts und niemand wird verhindern, dass sein Reich kommt.

Bis dahin gilt, was Jesus uns mit dem heutigen Predigttext zusagt und unseren Weg durch Angst und Enge bestimmen kann.

 

1.      „Ich bin der wahre Weinstock. Ihr seid die Reben.“

Es gibt ja ganz unterschiedliche Bilder, die Jesus benutzt, um sein Verhältnis zwischen ihm und uns auszudrücken. Am vergangenen Sonntag, war es das Bild vom Hirten und seinen Schafen. Heute nun das Bild vom Weinstock und den Reben. Was bedeutet dieses Bild? Was sagt es aus?

„Ich bin der Weinstock.“ Der Weinstock sorgt für das Wachstum der Reben. Der Weinstock versorgt die Reben mit allen Nährstoffen, Wasser und Schutzmechanismen gegen die Fäulnis. Das ist die Aufgabe des Weinstocks. Ich sorge für die Reben. Wie der Weinstock für seine Reben sorgt, so sorge ich für Euch. Welch ein Versprechen steckt in diesem Bild. Das ist nichts Zwanghaftes, das extra gestützt werden muss. Eine Rebe gehört einfach zum Weinstock, sie hat Gemeinschaft mit ihm, so wie wir ganz natürlich zu Jesus gehören und an ihm hängen sollen. Wir können, wir brauchen da gar nichts tun, sondern es ergibt sich einfach. Die Rebe, die fest am Weinstock verbunden ist, wird mit allem versorgt, was sie braucht. Sehen wir Jesus so? Trauen wir ihm zu, dass er uns mit dem versorgt, was wir brauchen? Rechnen wir mit seiner Fürsorge gerade auch in diesen Zeiten?

Jesus macht mit diesen Worten klar, was er für uns bleibend ist. Es ist für ihn undenkbar, dass der Weinstock sich von seinen Reben trennt. Darauf dürfen wir uns verlassen.

Philipp Spitta dichtet in seinem Lied, das wir nachher hören und vielleicht auch mitsingen:

„Du (Jesus) bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft.“

 

2.  „Ich bin der wahre Weinstock. Mein Vater ist der Weinbauer.“

Mit dieser Aussage stellt Jesus unser Leben in einen größeren Zusammenhang. Weinberge sind Kulturgüter. Sie sind bewusst angelegt und geschaffen worden. Der Weinbau ist eine hohe Kunst und eine mühevolle Arbeit. Dies beginnt bereits mit der intensiven Vorbereitung des Bodens. Traditionell baut man immer eine Mauer um einen Weinberg, um ihn vor Tierfraß und starken Winden zu schützen. Es kann Jahre dauern, bis der Wein erstmals richtig trägt und die jungen Pflanzen müssen ausreichend bewässert werden. So sieht Jesus unser Leben, es ist Teil des Weingartens Gottes. Gott will mit mir eine Geschichte haben. Er schenkt mir das Leben, er sorgt für mein Leben. Und so soll auch mein Leben Früchte tragen.

Aber dazu muss der Weingärtner die Reben bearbeiten. Der Weinstock darf nicht wild wachsen. Jesus sagt: »Eine jede Rebe, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.« Die Reben müssen so geschnitten werden, dass ein optimaler Fruchtansatz möglich wird. Sie werden zurückgeschnitten. Wenn ich das sehe, frage ich mich unwillkürlich: Muss wirklich so viel abgeschnitten werden? Oder im Sommer ist die Laubarbeit dran. Im Sommer müssen Blätter entfernt werden, damit die Sonnenstrahlen zu den Trauben gelangen können.

So arbeitet der göttliche Weingärtner an uns. Das kann schmerzlich sein. Das kann wehtun. Das kann den Glauben anfechten. Aber Jesus macht klar: Das Ziel des Weinbauers ist nicht, uns zu plagen, sondern Früchte reifen zu lassen. Ich bitte Sie, vor diesem Hintergrund harte Schläge zu verstehen und auch Niederlagen richtig einzuordnen.

Neulich las ich den Satz: »Der ist kein Narr, der loslässt, was er nicht halten kann, um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.«

Aber dann gibt es auch Triebe, die trotz guter Pflege keine Früchte tragen. Sie nehmen dem Weinstock nur Saft und Kraft weg, bringen aber dem Weingärtner keinen Ertrag. Im Frühjahr werden sie abgeschnitten oder im Sommer ausgebrochen. Sie dienen nur noch als Brennholz.

Jesus mahnt: »Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen.« Sie wird abgeschnitten und muss verdorren und wird verbrannt. Das Feuer ist ein Bild für das göttliche Gericht. Jesus mahnt eindringlich, zuzusehen, dass die Rebe am Weinstock bleibt. Wenn nicht, verfällt sie dem göttlichen Gericht.

Nur mit Jesus und in Gemeinschaft mit ihm kann das göttliche Gericht überstanden werden.

 

3.  „Bleibt in mir“

Das Ausschneiden und Abschneiden ist Gottes Werk. Unsere Aufgabe ist das Bleiben. Sieben Mal ist es in diesem Abschnitt zu lesen. Das Bleiben bei Jesus Christus ist Johannes im ganzen Evangelium ein Herzensanliegen. Nur in organischer Verbindung mit Jesus können Früchte wachsen, die Gott gefallen.

So wir in den letzten Wochen immer wieder aufgefordert wurden, zu Hause zu bleiben, möglichst wenig Sozialkontakte zu haben, so fordert Jesus uns auf bei ihm zu bleiben. Von ihm, dem Weinstock ist es klar, er wird sich nicht von seinen Reben trennen. Aber die Gefahr besteht, dass sich die Reben von ihm trennen. Hier wird das natürliche Verhältnis von Weinstock und den Reben aufgebrochen. Wir Menschen haben im Gegensatz zur Rebe, die Möglichkeit uns vom Weinstock zu trennen. Deshalb die eindringliche bitte von Jesus: Bleibt in mir. Bleibt bei mir!

Das Bleiben bei Jesus muss bewusst gewollt und eingeübt werden. Zum Bleiben gehört entscheidend das Hören auf die Stimme von Jesus. Auch seine Worte sollen in uns bleiben. Sie sollen unser Herz bewegen, unsere innere Haltung beeinflussen.

Ein seelsorgerlicher Rat: seine Worte täglich auf sich wirken lassen, und sei es nur in kleinen Rationen. Jesus sagt hier aus, dass seine Worte eine reinigende Kraft haben: Sie trösten, wenn wir traurig und trostlos sind. Sie geben Kraft, wenn wir kraftlos sind. Sie mahnen, wenn wir übermütig geworden oder auf falschem Weg sind.

Zum Bleiben gehört auch das Beten. Bleiben wir im Gespräch mit Jesus den ganzen Tag über. Beten wir regelmäßig und spontan, einsam und gemeinsam, zu Hause und unterwegs. Jesus gibt eine provokative Zusage: »Ihr werdet bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.« Ist das Ihre Glaubenserfahrung?

Haben Sie nicht auch schon um etwas gebeten und es wurde nicht erhört? Ich vermute, dass wir diese Erfahrung alle kennen. Wie ist dann diese Zusage von Jesus zu verstehen? Ich kann sie nur so verstehen, dass die Bitte erhört wird, wenn sie dem Willen Gottes entspricht. Genau da haben wir unsere Probleme:

Wir erkennen oft nicht, was sein Wille in einer bestimmten Situation ist. Trotzdem dürfen wir kühn und zuversichtlich beten.

Das Bleiben will ständig eingeübt werden. Wir sind im Werden. Das betont Jesus am Ende des Textes, wenn er sagt: »Werdet meine Jünger.« Gott ist dabei, uns zu entwickeln. Amen

Lied: EG 406 "Bei dir Jesus will ich bleiben"

1. Bei dir, Jesu, will ich bleiben,

stets in deinem Dienste stehn;

nichts soll mich von dir vertreiben,

will auf deinen Wegen gehn.

Du bist meines Lebens Leben,

meiner Seele Trieb und Kraft,

wie der Weinstock seinen Reben

zuströmt Kraft und Lebenssaft.

 

2. Könnt ich’s irgend besser haben

als bei dir, der allezeit

so viel tausend Gnadengaben

für mich Armen hat bereit?

Könnt ich je getroster werden

als bei dir, Herr Jesu Christ,

dem im Himmel und auf Erden

alle Macht gegeben ist?

 

3. Wo ist solch ein Herr zu finden,

der, was Jesus tat, mir tut:

mich erkauft von Tod und Sünden

mit dem eignen teuren Blut?

Sollt ich dem nicht angehören,

der sein Leben für mich gab,

sollt ich ihm nicht Treue schwören,

Treue bis in Tod und Grab?

4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich

so in Freude wie in Leid;

bei dir bleib ich, dir verschreib ich

mich für Zeit und Ewigkeit.

Deines Winks bin ich gewärtig,

auch des Rufs aus dieser Welt;

denn der ist zum Sterben fertig,

der sich lebend zu dir hält.

 

5. Bleib mir nah auf dieser Erden,

bleib auch, wenn mein Tag sich neigt,

wenn es nun will Abend werden

und die Nacht herniedersteigt.

Lege segnend dann die Hände

mir aufs müde, schwache Haupt,

sprich: »Mein Kind, hier geht’s zu Ende;

aber dort lebt, wer hier glaubt.«

 

6. Bleib mir dann zur Seite stehen,

graut mir vor dem kalten Tod

als dem kühlen, scharfen Wehen

vor dem Himmelsmorgenrot.

Wird mein Auge dunkler, trüber,

dann erleuchte meinen Geist,

dass ich fröhlich zieh hinüber,

wie man nach der Heimat reist.

Fürbitten und Vaterunser

Guter Gott, die Verbindung zu dir und deinem Sohn hält uns am Leben. Wir bitten dich, dass du uns und alle Menschen begleitest, die diese Verbindung zu dir dringend brauchen.

Wir bitten dich für die Armen und Benachteiligten, dass sie durch tätige Nächstenliebe wieder eine Verbindung zum Leben bekommen.

Wir bitten für die Kranken und Sterbenden, dass sie trotz Schmerzen und Angst die Verbindung zu dir nicht aufgeben.

Wir bitten für die Verfolgten und auf der Flucht befindlichen Menschen, dass sie sicher leben können und eine neue Heimat bekommen.

Wir bitten für unsere Kirchen und Gemeinden, dass sie die Verbindung mit dir immer neu suchen und davon den Menschen weitersagen können.

Wir bitten dich auch für uns, die wir so oft die Verbindung zu dir verlieren und uns wieder nach dir sehnen. Sei uns nahe, heute und jeden Tag.

 

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen. 

Segensbitte: EG 99 "Christ ist erstanden"

Christ ist erstanden

von der Marter alle;

des solln wir alle froh sein,

Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis.

 

Wär er nicht erstanden,

so wär die Welt vergangen;

seit dass er erstanden ist,

so lobn wir den Vater Jesu Christ’.

Kyrieleis.

 

Halleluja,

Halleluja,

Halleluja!

Des solln wir alle froh sein,

Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.